Der beste Opa der Welt

Posted in: Allgemein- Apr 09, 2013 No Comments

Meine Kindheit war wunderschön. Meine Eltern machten alles so, dass ich mich gefahrlos und sorgenfrei fühlte. Und bei mir war ein Mann, der aus meinem Leben ein Märchen machte. Mein Opa. Er weihte mir seine letzten 12 Jahre. Ich erinnere mich an viele Erlebnisse, die für immer in meinem Kopf bleiben werden.

Mein Opa war ein ausgezeichneter Pilzsammler. Dreimal in der Woche stand er um 4:00 Uhr auf und fuhr mit dem Fahrrad 20 km in den Wald. Ich wartete ungeduldig auf ihn im Garten. Er kam immer vor dem Mittagessen mit zwei Rucksäcken voller Steinpilze zurück. Dann zog er sich um und zog seinen Anzug an. Er setzte seinen Hut auf. Er war sehr elegant. Wir gingen in die Stadt spazieren und ein Eis essen. Wir sangen und dachten uns verschiedene Geschichten aus. Wir machten viele Ausflüge – in die Natur, in die Berge, in die Schlösser und Burgruinen. Wir pflanzten Blumen, Obst  und Gemüse an.

Immer im Sommer gingen wir in den Wald einen Weihnachtsbaum suchen. Mein Opa bekam eine Erlaubnis vom Revierförster einen Baum abzuholzen. Wir spazierten und suchten und suchten und dann fanden wir einen. Und später, im Dezember, kamen wir für unseren Baum. Der Schnee knirschte unter den Füßen. Mein Opa hielt mich an der Hand, mit der anderen Hand zog er die Rodel. Wir trafen Hasen und Rehe. Jede Weihnachten, wenn ich den Weihnachtsbaum schmücke, denke ich zurück und weine.

Einmal rodelten wir und brachen unsere Rodel. Mein Opa zeichnete darüber ein Bildchen und schrieb ein Gedicht. Ein anderes Mal lief ich auf einem gefrorenen See und mein Opa sang. Als ich hinfiel, sagte er wie ein Kommentator: Das war die Figur – die Schlange!

Im Mai, immer an meinem Geburtstag, kam er mit den Tulpen und Narzissen aus unserem Garten und mit der Torte, die Oma gebacken hatte. Ich erwartete ihn neben dem Fenster. Auch jetzt, jeweils am 1. Mai, stehe ich neben dem Fenster und warte auf das Wunder.

Als ich 12 Jahre alt war, ist mein Opa gestorben. Ich erlebte einen unglaublichen Schmerz und dieser Schmerz dauert bis heute an. Vor einem halben Jahr ist meine Oma gestorben. Ohne meine Großeltern fühle ich mich wie ein kleines Vögelchen, welches aus dem Nest fiel. Ich habe meine Eltern, die ich grenzenlos liebe, aber Großeltern lieben anders. Und ich vermisse diese Liebe und Unterstützung, die riesige Angst, die sie um uns haben.

Danke, Opa, dass du für mich da warst.

Jana, Deutschkurs B2, April 2013