Unsere Trainer im Kreuzverhör

Posted in: Allgemein, Deutschkurse, Infos, Kategorie- Feb 05, 2015 No Comments

FOLGE 5

SARAH, Deutsch-Trainerin

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Sarah, du unterrichtest DaF/DaZ. Was gefällt dir an diesem Beruf?

Als DaF-Trainerin mit zahlreichen Menschen mit Migrationshintergrund in Kontakt kommen zu können, ist für mich persönlich eine Bereicherung. Eine Bereicherung ist es vor allem deshalb, weil ich durch die SchülerInnen neues Wissen, Sprachen, unterschiedliche Werte sowie neue Meinungen erfahren darf.

In den letzten zwei Jahren konnte ich Menschen aus über 60 Nationen die deutsche Sprache sowie die österreichische Kultur näher bringen. Ich liebe an diesem Beruf vor allem das Kommunikative und die Abwechslung. Kein Kurs gleicht dem nächsten, und jede Gruppe entwickelt ihre ganz eigene Dynamik. Somit ist es ein Beruf, der viel Flexibilität und Einfühlungsvermögen seitens der Daf-Trainerin/des Daf-Trainers einfordert, denn jeder Schüler hat seine eigenen Ziele aber auch Schwierigkeiten beim Spracherwerb.

 Wann macht dir das Unterrichten besonders Spaß?

Ich muss leider öfters erleben, dass SchülerInnen mit einer eher negativen Konnotation gegenüber der deutschen Sprache einen Kurs beginnen. Des öfteren stecken Gefühle wie Angst oder Unsicherheit dahinter. Kommentare wie „Deutsch ist eine der schwierigsten Sprachen!“ oder „Warum habt ihr neben Regeln immer so viele Ausnahmen?“ gehören zu meinem beruflichen Alltag.

Somit macht es mir besonders viel Spaß, wenn ich es schaffe, meine SchülerInnen davon zu überzeugen, dass Deutsch mit ein bisschen Fleiß und Willen ganz viel Spaß machen kann.

Aufgrund der Rückmeldungen meiner SchülerInnen glaube ich, dass ich eine sehr empathische Trainerin bin. Ich gebe jeden Tag mein bestes, damit meine Schüler ihre ganz persönlichen Lernziele erreichen können. Ich freue mich auch immer von Herzen mit ihnen mit, wenn sie eine ÖSD-Prüfung positiv absolvieren.

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Was gefällt dir an der deutschen Sprache?

„Binnenschifffahrtsstraßenordnungsberufssicherheitsbeauftragter“, „Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft“ – Deutsch zeichnet sich durch seine hohe Komplexität aus :-) Kasus, Genus, Deklinationen, Syntax, Präpositionen, Komposita…. Die deutsche Sprache ist meiner Meinung nach eine sehr anspruchsvolle, und nicht nur für die SchülerInnen sondern auch für die TrainerInnen eine große Herausforderung, wenn es um die Vermittlung geht. Deutsch finde ich auch durch die zahlreichen Varietäten spannend.

 Welche Sprachen sprichst du und wie/warum hast du sie gelernt?

Sprachen zu lernen zählte schon immer zu meinen großen Leidenschaften und bereitete mir großen Spaß – egal ob meine Muttersprache Deutsch in den ersten Jahren meiner Kindheit oder die Sprachen, die ich später erlernen durfte. Obwohl ich eigentlich nur zweisprachig aufwuchs – eine Varietät der deutschen Sprache sowie die deutsche Standardsprache – bereitete es mir in der Hauptschule schon unglaublich viel Spaß, zwei weitere lebende Fremdsprachen zu lernen: Englisch und Italienisch. In meiner Jugend konnte ich noch zusätzlich die Sprachen Französisch und Slowenisch erwerben, und auch die Tatsache, dass in dieser Schule fast alle Fächer in englischer Sprache abgehalten wurden, bereitete mir große Freude.

Nach der Matura wollte ich am liebsten gleich alle bereits erworbenen Sprachen anwenden, und arbeitete bei einer Airline als Flugbegleiterin. Nach einem Jahr jedoch hatte ich den Wunsch, Sprachen am Institut für Romanistik zu studieren, und konnte dabei eine weitere Sprache erwerben: Spanisch. Während des Studiums kam ich auch nicht drumherum, das Latinum nachzumachen. Was mir jedoch beim Erwerb der spanischen Sprache sehr stark auffiel, war das hohe Niveau, dass ich nach nur drei Monaten aufgrund meines vorhandenen Vorwissens romanischen Sprachen gegenüber erzielen konnte (B1). Je mehr Sprachen einer Sprachfamilie (romanische Sprachen) ich erwarb, umso leichter wurde es meiner Ansicht nach.

Jetzt hast du begonnen, Arabisch zu lernen. Wie geht es dir dabei?

Ja, das ist richtig. Im November begann ich mit meinem ersten Arabisch-Kurs (A1), da ich neben den bereits erlernten Sprachen der indogermanischen Sprachfamilie eine Sprache kennenlernen wollte, die nichts mit dem bereits gelernten zu tun hat. Sie sollte sozusagen einen großen Kontrast zu den bereits erlernten Sprachen darstellen. Um ehrlich zu sein habe ich es mir einfacher vorgestellt, als es jetzt tatsächlich ist. Nach der ersten Arabisch-Stunde empfand ich ein Gefühl der Ohnmacht. Es war die Ohnmacht meiner A1/1-Schüler, denen ich von Montag bis Freitag für drei Stunden versuchte, Deutsch schmackhaft zu machen – natürlich mit viel Input, mit vielen Informationen, mit viel Wortschatz – einfach mit Vollgas.  Hier ist ein kleiner Auszug meines Tagebuchs:

„In der ersten Einheit des Arabisch-Kurses wurden die 28 Buchstaben wie Memory-Kärtchen auf einem Blatt präsentiert. Der Lehrer las alle Buchstaben laut von rechts nach links vor, und wir sollten daraufhin die 28 Buchstaben wiederholen. Die erste Problematik, die ich sofort feststellen konnte, war neben dieser Fremde die Aussprache der einzelnen Buchstaben bzw. „Zeichnungen“. Ich versuchte, mir über jeden Buchstaben eine Assoziation bzw. die deutsche Aussprache zu notieren.„älif, bä (kann aber auch be sein), tä, the (bitte wie thank oder thirty), dschim (wie german) usw.“.

Meine erste Herausforderung bestand somit darin, die für mich neuen Buchstaben zu dekodieren, sodass ich sie auch Tage später noch aussprechen konnte. Was wirklich gut war, war das häufige Wiederholen des Alphabets und der Aussprache. So hatte ich eine geringe Chance, das Alphabet durch meine „verdeutschte Version“ richtig runter zu rattern. Doch hätte ich meine schöne Eselsbrücke nicht gehabt, hätte ich keine Ahnung gehabt, welches Zeichen wie ausgesprochen wird, oder besser gesagt, was wie heißt. Wie heißt der Buchstabe und wie wird er ausgesprochen? Beide Dinge zu beachten, das war für mich eine große Herausforderung. Neben der Aussprache sollte auch noch das Schreiben der Buchstaben gelernt werden. Es kam mir nicht vor wie ein Sprachkurs, sondern eher wie eine Zeichenstunde – nur mit dem klitzekleinen Unterschied, dass ich nicht malen durfte was ich wollte, sondern dass ich versuchen musste, das Gemalte des Trainers in mein Heft abzupausen. Was mich dabei gleich überforderte war die Tatsache, dass die Buchstaben auch unter die Zeile gehen konnten. „Im Deutschen ist das ein großer Vorteil. Alles exakt und gerade über der Linie“, dachte ich. Als ich ein wenig genauer über die deutsche Sprache zu reflektieren versuchte, merkte ich sehr bald, dass bei unseren Buchstaben auch sehr wohl Linien unter die Zeile gelangen – man denke an g oder q. Ich dachte: „Peinlich! Wie konnte ich denn nur das arabische Alphabet erlernen, wenn ich mir noch nie ernsthafte Gedanken über das meiner Muttersprache gemacht hatte?“ Was mich beim Schreiben außerdem noch überforderte war, dass das im Arabischen oft nicht so genau ist. Der Trainer zeigte uns viele verschiedene Varianten, wie derselbe Buchstabe geschrieben werden kann.

Wir sollten ca. zwei Stunden einplanen, um die bereits gelernten Dinge zuhause zu Wiederholen. „Zwei Stunden?“,  wunderte ich mich. Ich müsste eher eine Woche dafür einplanen.“

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Das heißt „Sarah“!

 

 

 

Wie lebst du selbst das Thema „Multikulturalität“, was bedeutet es für dich?

Da ich in einem kleinen Ort auf dem Land groß geworden bin, welcher nicht mehr als 1900 Einwohner zählt, war die Stadt Wien für mich von Beginn (2008) an ein Erlebnis. Ein Erlebnis, welches bis heute andauert. Mir wurde in dieser Stadt sehr schnell bewusst, dass Österreich ein Land ist, welches durch Immigration bestimmt wird. Das heißt, dass in Österreich eine kulturelle Vielfalt vorherrscht. Obwohl nach wie vor leider viele ÖsterreicherInnen verweigern, diese Migrationstatsache zu akzeptieren, kann meiner Meinung nach eine Migrationsgesellschaft sowohl eine Bereicherung als auch neue Erfahrungen bieten. Ich selbst würde mir wünschen, von dieser Defizitperspektive wegzukommen und Migration nicht mit Armut oder Kriminalität in Verbindung zu bringen. Vielmehr sollte es als eine positive Herausforderung für alle Beteiligten angesehen werden, in welcher niemand als andersartig angesehen werden sollte.

Was sind deine Hobbys?

Meine Hobbys sind Reisen, Sprachen lernen, Sport treiben und dies vor allem mit meinem Mann, meiner Familie sowie mit meinen Freunden teilen zu können. Wenn ich so darüber nachdenke, dann zählt auch mein Beruf zu meinen Hobbys, denn ich liebe es, mit Menschen zusammenzuarbeiten und etwas Positives für die Gesellschaft beitragen zu können.

Was magst du an der Sprachschule Meridian?

Ich fühle mich bei Meridian sehr wohl. Die Sprachschule gibt einem als Lehrperson mit seinem netten Personal und der netten, familiären Atmosphäre ein gutes Gefühl, dort zu arbeiten. Ich liebe es auch, dass immer auf die Wünsche der TrainerInnen Rücksicht genommen wird. Ich glaube, wir sind ein tolles Team!

Interview: gh, Februar 2015

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